Messias Maschine von Chris Beckett

Autor: Chris Beckett
Seitenanzahl: 336 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Preis: 9,99€
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Auf der Welt herrscht Krieg. Krieg zwischen den Gläubigen verschiedener Religionen. Zum Glück wohnt George Simling in Illyrien, der Ort der Wissenschaft. Dort wird er süchtig nach Lucy, einem SynTec, genau genommen einem Roboter, der ausschließlich zur Prostitution dient. Doch diese SynTecs wie Lucy sind selbstentwickelt. Sie lernen aus ihren Erfahrungen und als Lucy anfängt zum Teil selbstständig zu denken, flieht George mit ihr aus Illyrien, da sie sonst einer Komplettlöschung bevorsteht. Doch außerhalb Illyriens ist es alles andere als friedlich.


Es kam mir so vor, als ob es sich hier um mehr handelte als um einen Kampf zwischen verschiedenen menschlichen Parteien. Es war ein Kampf, den Lucy ebenfalls ausgefochten hatte, ein Kampf um die Natur des Seins selbst, ein Krieg zwischen Körper und Geist, Erscheinung und Substanz: unversöhnliche Gegensätze, die doch so fest miteinander verknüpft waren, dass die Grenzen zwischen ihnen sich nicht klar bestimmen ließen und die Dinge sich immer wieder als Gegenteil dessen entpuppten, als was sie anfangs erschienen waren. Alle versuchten, den Dingen auf den Grund zu gehen. Doch gleichzeitig versuchten alle um jeden Preis, sich an Äußerlichkeiten festzuklammern. [...] Geist und Körper, Körper und Seele - wie sollte dieser Krieg jemals enden? Wie konnte man jemals Frieden finden, wenn die eigentlichen Gegner sich nicht miteinander versöhnen ließen und doch bei allen Parteien und in jedem Heer zu finden waren, auf ewig aneinandergekettet.

Ein wunderschönes Zitat, oder? Das dachte ich auch während des Lesens. Denn Chris Beckett hat ein wahres Wortgeschick. Es ist faszinierend, wie er Wörter so zusammenfügt, dass man das Lesen der dabei entstehenden Sätze genießt. Sie vergehen einem im Kopf wie Schokolade auf der Zunge. Langsam und mit einem lieblichen Nachgeschmack. Das wusste ich noch nicht, als ich mit dem Lesen anfing. Ich konnte mich kaum in die Geschichte einfinden und verlor jedes Mal wieder den Faden. Las Seiten mehrmals, um zu verstehen, was genau eigentlich passiert. Wie man sicherlich annehmen kann, spielt das Buch in der Zukunft. Und in Chris Becketts Zukunft gab es Dinge, die ich nicht auf Anhieb in meinen Kopf bekam. Zum Beispiel, was genau auf der Erde dort eigentlich passiert und wer gegen wen kämpft. Zu den Zeitpunkten, als all dies erklärt wurde, schweiften meine Gedanken vor Langeweile immer mal wieder ab und ich musste das Ganze noch einmal lesen. Aber ich gewöhnte mich an diese Welt. Ich gewöhnte mich an das SenSpace, die SynTecs und den Stand der Technik, der Wirtschaft, einfach allem.

Zunächst lernte ich also George Simling (der Hauptprotagonist, aus dessen Sichtweise das Buch in der Ich-Form geschrieben ist), Ruth Simling (Georges Mutter, im SenSpace bekannt als "Kleine Rose") und Charlie (Georges und Ruths Haushaltsroboter). Ich verstand, was das SenSpace denn eigentlich war und war ernsthaft interessiert an diesem Buch. Ich merkte, dass Chris Beckett sich ernsthafte Gedanken über eine mögliche Zukunft gemacht hatte und welcher Autor würde schon auf die Idee von Robotern als Prostituierte kommen? Zudem ist "Messias Maschine" sein erster Roman, was ihm bei mir noch einmal ein paar Extrapunkte einbringt. Denn wenn ein Autor bereits in seinem ersten Roman begeistern kann, muss ich ihn einfach mögen.

Chris Beckett scheint vor nichts zurückzuschrecken. Von Sex mit Lucy bis zu Vergwaltigungen und verstümmelten Personen ist alles drin. Man merkt sofort, dass dieses Buch für Erwachsene geschrieben wurde und dennoch hat es mir so gut gefallen, wozu der wunderschöne Schreibstil auf jedenfall beigetragen hat.
  Leider gibt es auch hier ein paar negative Punkte. Manchmal hatte ich das Gefühl, manche Szenen wären nur als Platzfüller geschrieben worden. Genauso wie ich zum Teil keine Zusammenhänge zwischen bestimmtem Handlungen sah oder ich einfach nicht wusste, was genau passierte, weil bestimmte Abkürzungen mich nicht weiterbrachten.

George ist jemand, den man trotz jeglicher Handlungen einfach ins Herz schließen muss. Auch er tut dumme Dinge und kann sich selbst nicht kontrollieren, aber ist das nicht bei uns allen so? Er gab dem Buch den nötigen Schuss von ... Realität. Ich bin mir nicht sicher, ob man das bei ihm wirklich so nennen kann. Er ist intelligent und Atheist, dennoch fragt er bei Gläubigen oft nach, weil er bestimmte Religionen verstehen will. Ein weiterer Punkt. Denn in diesem Buch geht es viel um Religion. Zwar wusste ich bis kurz vorm Ende nicht, weshalb dieses Buch "Messias Maschine" heißt, doch glücklicherweise wurde auch diese Frage noch geklärt. Es ergab alles einen Sinn und ich hätte mir kein schöneres Ende vorstellen können, auch wenn es mir für einen Augenblick ein wenig ... Friede-Freude-Eierkuchen-mäßig erschien. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass dieses Buch tatsächlich über zwei Jahre umfassen sollte.

Fazit: Ein schönes Buch, das mit seinem unglaublichen Schreibstil begeistert und mich überzeugen konnte, trotz einiger Makel. Ich vergebe gute 3,5 Punkte, die bei einem weniger verwirrenden Anfang sicherlich zu 4 Punkten geworden wären. Ich kann das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen.


 
 3,5 von 5 Hühnern

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